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Nationalhymnen I – Das Deutschlandlied

Kaum etwas vermag die Seele von Völkern so stark zu berühren und Gemeinschaft zu stiften wie eine Nationalhymne. Musik hat sich schon immer besonders gut dazu geeignet, den Einzelnen anzusprechen und ihm Zugehörigkeit zu einem größeren Ganzen zu vermitteln. Ihr wohnt eine eigene Mystik, ein eigener Zauber inne, der es vermag, das Innerste des Individuums zu berühren. Nicht umsonst bedienen sich Institutionen, die die Jahrtausende überdauert haben, dieses Mittels. Kirchen mit ihren Lobgesängen und Psalmodien, das Militär mit seinen Märschen. Insofern ist es nur zu verständlich, dass Selbstredend schickten sich auch Staaten an, sich dieses Mittels zu bemächtigen.

Der moderne, vermeintlich kosmopolitische, universalistische und antinationale Zeitgeist steht diesem organisch gewachsenen Kulturgut selbstredend ablehnend, ja feindselig gegenüber. Man zeigt sich pikiert über ein Übermaß an nationalen Symbolen – man denke an die Flaggenentsorgung der Altkanzlerin an einem Bundestagswahlabend oder die kritischen Worte – zuvorderst aus grün-linker Ecke – beim Anblick eines schwarz-rot-goldenen Fahnenmeers während Sportgroßveranstaltungen. Andernorts hatte man versucht, in vorauseilendem Zeitgeistgehorsam die eigene Hymne umzudichten, wie in Österreich.

In dieser Serie soll es um diese wunderschöne, musikalische Ausdrucksform des Nationalbewusstseins gehen.

Was läge näher, als gleich mit den “dicken Brettern” anzufangen und sich die deutsche Nationalhymne vorzuknöpfen?

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Zunächst einige Fakten, die für die weitere Diskussion wichtig sind:

Der Text des Lieds der Deutschen wurde von Hoffmann von Fallersleben im Jahre 1841 auf Helgoland verfasst. Wie bekannt sein dürfte, wird das 19. Jahrhundert gemeinhin mit einem erwachenden Nationalbewusstsein verknüpft. Aus dieser Epoche stammen eine ganze Reihe von Nationalhymnen, die eigene Nation beschwörende Schriften, Traktate und politische Schriften, die für die Einigung der Nationen eintreten. Insofern ist die Entstehung der späteren Nationalhymne während dieser Zeit folgerichtig.

Die Musik – und das mag den Durchschnittsdeutschen womöglich überraschen – war ursprünglich nicht für Deutschland komponiert worden. Auch ich war lange Zeit nicht mit dem Umstand vertraut, dass Joseph Haydn sie für die österreichische Kaiserhymne kreiert hatte. Noch heute mokieren sich unsere südlichen Nachbarn noch darüber, dass die Piefkes die Lobeshymne auf Franz II. anstimmen.

Dabei ist die Übernahme von Melodien für andere Hymnen gar nichts Ungewöhnliches: Die britische Nationalhymne God save the Queen – seit Thronbesteigung Charles III. im Frühjahr dieses Jahres wieder God save the King – wurde ihrerseits von der preußischen Volkshymne Heil dir im Siegerkranz übernommen (hier eine schöne Version des großartigen Dr. Ludwig). Auch die ehemalige Schweizer Nationalhymne Rufst du mein Vaterland wird in dieser Melodie gesungen. Ein anderes Beispiel ist die heutige polnische Nationalhymne und die Hymne des ehemaligen Jugoslawien.

Strophentilgung

Ungewöhnlich im Falle der Deutschen Nationalhymne ist jedenfalls, dass man zu besonderen Anlässen und internationalen Veranstaltungen nur die Dritte Strophe zu singen pflegt. Gegen sie ist sicherlich nichts einzuwenden. Sie drückt mit ihrer Triade Einigkeit und Recht und Freiheit sicherlich ein weitgehendes Desiderat in der deutschen Bevölkerung aus. Die ohnehin für ihren Fleiß bekannten Deutschen werden sich auch kaum an der Formulierung stören Danach lasst uns alle streben. Hier gibt es kaum Kontroversen. Lediglich das brüderlich dürften einige Zeitgeisteiferer (analog zu den Durchgenderungsbemühungen in Österreich) “problematisch” finden.

Die ominöse erste Strophe

Die kollektive insanitas bricht sich an einer ganz anderen Stelle bahn. Schon der erste Vers der ersten Strophe führt zu PC-induzierten Zornesfalten des homo bundesrepublikanensis:

Deutschland, Deutschland über alles

Wie Nazi ist das denn, bitteschön?! Das lässt ja gleich an Weltherrschaft, Militarismus und Sterbenwollen für totalitäre Großmächte denken. Assoziationen zum Übermenschen Nietzsches wallen auf. Und dann auch noch der zweite Vers: Über alles in der Welt. Geht’s noch?!??!

Gemach, gemach. Dem historischen Analphabeten sei erklärt, dass die Hymne etwa 90 Jahre vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten geschrieben wurde. Der Verfasser konnte schwerlich erahnen, wie seine Worte ein knappes Jahrhundert später einmal möglicherweise von extremistischen Ideologen für die Legitimation von Großmachtstreben und Extermination ganzer Volksgruppen missbraucht werden könnten. Zweitens darf man getrost den historischen Kontext für die Komposition heranziehen. Es war ganz normal, Lobgesänge (= Hymnen) auf die eigene Nation zu dichten. Dies reihte sich ein in das europaweite Entstehen eines Nationalbewusstseins der Völker, die – wie etwa in Deutschland oder Italien – eben noch keine staatlichen Entitäten herausgebildet hatten. Natürlich wurde hiermit dem Bestreben Ausdruck verliehen, aus dem berühmten Flickenteppich eine Deutsche Nation zu formen – was dann ja 30 Jahre nach dem Abfassen der Hymne tatsächlich geschah.

Weiter im Text. Die Gemüter erhitzen sich erwartungsgemäß ab dem fünften Vers:

Von der Maas bis an die Memel

Von der Etsch bis an den Belt

Hier entzündet sich der politisch korrekte Volkszorn zuverlässig. Gleich wird die Nazikeule ausgepackt und erwartungsfroh geschwungen. Wie kann man diese geographischen Eckpunkte nur in einer Hymne als Teil des eigenen Landes besingen? Und das auch noch heute? Das ist aber sicher Nazi. Schon weil es revisionistisch ist und die heutigen Grenzen infrage stellt.

Falsch. Abermals sei auf den historischen Kontext verwiesen. Tatsächlich erstreckte sich der deutsche Kulturraum – historisch – zwischen diesen Gewässern. Eigentlich jedoch sogar noch darüber hinaus. Noch heute leben deutsche Minderheiten in Schlesien, im Sudetenland, in Russland, Ungarn oder Rumänien. Und das zum Teil seit Jahrhunderten. Es handelt sich also um autochthone Minderheiten in diesen Ländern. Daran haben auch zwei Weltkriege nichts geändert. Natürlich haben Vertreibungen und andere schreckliche Dinge stattgefunden – auf beiden Seiten. Das Fass muss an dieser Stelle nicht aufgemacht werden. Doch das ändert nichts an der Tatsache, dass die deutsche Kultur ihre Daseinsberechtigung auch innerhalb dieser geographischen Grenzen besitzt, die über die Grenzen der modernen Bundesrepublik Deutschland hinausreichen.

Wie sollte Hoffmann von Fallersleben auch geahnt haben, welch entsetzliches Leid ein deutscher Diktator ein Jahrhundert später einmal über Europa bringen würde? Es wäre absurd, ihm diesen Vorwurf zu machen.

Schlüssiger ist da der Vorwurf, man dürfe diese Strophe aufgrund der Befindlichkeiten anderer Nationen nicht mehr singen. Nichtsdestotrotz werden hier zwei Dinge vermischt: Das bloße Besingen von geographischen Räumen ist keineswegs gleichzusetzen mit der revisionistischen Forderung, man möge fragliche Räume auch wieder dem deutschen Staatswesen einverleiben. Sicher gibt es diese Bestrebungen auf Seiten einer verschwindend kleinen revanchistischen Minderheit. Sie stellt jedoch keinesfalls das Gros derer dar, die sich für das Singen der ganzen Deutschen Nationalhymne stark machen.

Vollkommen absurd wird es, wenn geäußert wird, dass das Spielen der ersten Strophe des Deutschlandlieds zum traumatischen Erlebnis wird. So geschehen vor einigen Jahren, als Sportlerinnen mit diesem “Skandal” (O-Ton Kommentator bei der Siegerehrung) konfrontiert wurden.

Der Mythos vom Verbot

In vorauseilendem Gehorsam wurde vor langer Zeit der urban myth lanciert, dass die erste Strophe des Deutschlandlieds verboten sei. Sieht man sich die Kommentarsektion eines beliebigen Videos an, in dem alle drei Strophen gesungen werden, stößt man immer wieder auf Kommentare, die dieses sich hartnäckig haltende Märchen zu entkräften suchen. Für die bundesrepublikanische Gutmenschenjunta kann einfach nicht sein, was nicht sein darf. Sie kann nicht akzeptieren, dass eine andere Sichtweise auf die eigene Nationalhymne und ihr Erbe existiert. So spricht sie ihr schlicht und einfach die Existenzberechtigung ab.

Richtig ist, dass keine der drei Strophen des Deutschlandlieds verboten ist. Diese juristisch einwandfreie Feststellung ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass die erste Strophe im juste milieu des Normietums verabscheut wird. Kein dem Mainstream ergebener Deutscher wird die erste Strophe der Nationalhymne gutheißen. Eher dürfte er zu einem echten Verbot aufrufen. Der Grund für diese Forderung dürfte sich in der vermeintlichen Glorifizierung des Nationalsozialismus, völkischen Denkens und Rassenhasses finden lassen. Dabei suggeriert die erste Strophe nichts von dem. Das Problem liegt nicht bei der ersten Strophe, sondern in den Köpfen, die zur Differenzierung aufgrund jahrzehntelanger penetranter Indoktrination zur historischen Kontextualisierung nicht mehr fähig sind.

Die zweite Strophe – Begeisterung durch deutsche Symbole

Auf den ersten Blick mag die zweite Strophe etwas deplatziert für eine Nationalhymne wirken. Wer besingt schon Frauen und Wein? Aus zeitgeistkonformer Sicht könnte es kaum etwas Frauen- und Transfeindlicheres oder Drogenverherrlichenderes geben als das Besingen des weiblichen Geschlechts und eines alkoholischen Getränks. Schon die Gleichsetzung von weiblich gelesenen Menschen und Alkohol ist dem Normie ein Dorn im Auge.

Dabei beschwört die zweite Strophe des Deutschlandlieds gewissermaßen historische Grundfeste der deutschen Nation. Wenn man ihr unvoreingenommen lauscht, hört man eine unmissverständliche Lobpreisung von Frauen und dem holden Rebensaft heraus. Denn sie sollen ihren alten, schönen Klang behalten und zu edler Tat begeistern.

Hinzu kommt eine Tugend, die der tugendfeindliche Zeitgenosse natürlich nur ablehnen kann. Die Treue ist etymologisch mit dem Vertrauen verwandt. Das Vertrauen ist Grundvoraussetzung für ein harmonisches, geregeltes Zusammenleben in menschlichen Gemeinschaften. Beides wird von Zeitgeisttonangebenden infrage gestellt. Darüber hinaus scheint Treue zur Heimat, zur Familie, gegenüber Partnern in dieser atomisierten Gesellschaft keinen hohen Stand mehr zu genießen. Als besonders problematisch darf in diesem Zusammenhang das Partnerschaftswerben in Zeiten von Tinder gewertet werden, das sich – größtenteils – als schnelllebig und wenig anpassungsbereit herausstellt.

Der deutsche Sang wiederum hat auf der Weltmusikbühne sicherlich gelitten. Natürlich: Über Geschmack lässt sich trefflich streiten. Aber während die klassische Musik klar deutsch dominiert war, hat seit der Verfassung der Zeilen der Nationalhymne die Bedeutung deutscher Musikproduktionen nachgelassen. Zwar ist die Lage nach meinem Dafürhalten nicht mehr so dramatisch wie noch vor ein paar Jahren, als man – wenn man nicht gerade Schlagersender eingestellt hatte – fast ausschließlich nicht-deutsche Titel im Radio zu hören bekam, worauf eine Phase mit zumeist uninspirierten und grottenschlechten Songs in deutscher Sprache folgte. Dennoch ist es wohl kaum so, dass sich jemand durch bestimmte deutschsprachige Musikstücke wirklich begeistern könnte. Ausnahmen mögen die Regel bestätigen.

Zu den letzten beiden Elementen der zweiten Strophe – deutschem Wein und deutschen Frauen. Selbstredend sollte auf die ungeheure Vielfalt und Ausprägungen von beiden verwiesen werden. Doch lassen sie sich durchaus in diesem kulturell-geographischen Raum subsumieren.

Der deutsche Wein hat laut Aussagen vieler Experten und einer neu erwachenden Leidenschaft für den Trank der Götter eine spürbare Aufwertung erfahren. Der Weinbau ist deutlich professioneller geworden und das Know-How konnte dank Tradition und guter Ausbildung vermittelt werden. Wein liegt im Trend. Man genießt das Glas Wein – vor allem zu festlichen Anlässen oder zum Abendessen, aber hier und da auch als Solitär. Deutschland muss sich mit seinen Weinen – allen voran der deutschen Rebsorte schlechthin, dem Riesling – vor niemandem in der Welt verstecken. Natürlich gedeihen nicht alle Reben in deutschen Landen gleich gut; viele autochthone Sorten werden jedoch mit viel Hingabe und Liebe kultiviert und in zahlreichen Weinstuben und auf Weinfesten zelebriert.

Der Wein zählt zweifelsohne zu Deutschland. Auch wenn er – zu meinem Bedauern – in puncto Beliebtheit noch hinter dem Bier als Nationalgetränk hinterherhinkt. Als nationales Symbol taugt er dennoch hervorragend. Hier hat er analog zu anderen Kulturnationen wie Frankreich oder Italien seine absolute Daseinsberechtigung.

Was die deutschen Frauen betrifft, so wage ich stark zu bezweifeln, ob die gemeine deutsche Frau heutzutage tatsächlich noch zu edler Tat zu begeistern vermag. Der weibliche Teil der Leserschaft mag sich hier angesprochen fühlen oder nicht, sich zur “prototypischen” Deutschen erklären oder nicht. Fakt ist, dass “die Deutsche” ein stark vom Feminismus in seiner modernsten Ausprägung beeinflusstes Wesen ist. Zu seinen Überzeugungen zählt, dass wir im Patriarchat leben, in denen Männer Frauen ausbeuten und 23 % mehr Lohn bei gleicher Arbeit bekommen, häusliche Gewalt ubiquitär ist, Männer in ihrer Mehrheit primitiv sind und Quoten für das Fortkommen von Frauen vonnöten sind. Sie beklagen sich über ihre einseitige Wahrnehmung als wahlweise Sexobjekte oder Mütter und fordern eine Gleichsetzung (nicht: Gleichberechtigung) mit dem Mann.

Zugleich scheinen die meisten allerdings kein Problem damit zu haben, dass nach wie vor Männer in den meisten körperlich anstrengenden oder wenig prestigeträchtigen Berufen tätig sind (Feuerwehr, Polizei, Müllabfuhr, Kanalarbeiter). Sie hält sich insgeheim dem primitiven, rückwärtsgewandt eingestellten männlichen Counterpart überlegen und verlangt mehr Anerkennung für sich und ihre Geschlechtsgenossinnen.

Einschub: Natürlich gilt das nicht für alle deutschen Frauen. Absolute Aussagen sind ohnehin immer mit Vorsicht zu genießen. Die obige Charakterisierung trifft jedoch nach eigener Erfahrung auf einen zumindest nicht unerheblichen Teil der deutschen Frauenschaft zu.

Und wer möchte sich unter diesem Umstand mit einer solchen deutschen Frau länger abgeben? Der Zeitgeist hat sie mit so viel Müll und toxischer Weiblichkeit überhäuft, dass sich kaum ein Mann für sie als Person interessieren wird. Klar, wenn das rein Äußerliche sie aufwertet, wird er versuchen, ihr an die Wäsche zu gehen. Aber das geschieht dann sicherlich nicht in der Absicht, eine langfristige Partnerschaft zu etablieren.

Die zweite Strophe der deutschen Nationalhymne beinhaltet sicherlich das, was dem Autor zur damaligen Zeit als eines Enkomiums würdig erschien. Im Abgleich mit der Gegenwart treten jedoch deutliche Zweifel zutage, ob er – wenn er heute noch leben würde – auf die gleiche Weise gedichtet hätte.

Die dritte Strophe – Hymne des Konsenses

Über die ehemalige britische Premierministerin Margaret Thatcher ist bekannt, dass sie das Wort “Konsens” verabscheute. Der Grund bestand darin, dass sie der Überzeugung war, dass aus einem Konsens nichts Richtungsweisendes erwachsen konnte. Die dritte Strophe des Deutschlandlieds ist keine schlechte. Sie drückt mit den gleich in der ersten Strophe genannten Maximen Einigkeit, Recht und Freiheit drei Grundpfeiler dessen aus, was sich die Deutschen für ihr Volk wünschen.

Einigkeit als Wunsch nach nationaler Einigung in einem gesamtdeutschen Staat. Dies war in Deutschland als verspäteter Nation lange Zeit nicht der Fall, bis es Bismarck 1871 gelang, das Deutsche Reich als eigenständige Entität zu gründen. Einigkeit deutet gleichsam auch auf den Wunsch hin, Teil einer Schicksalsgemeinschaft zu sein.

Recht und Ordnung sind ohnehin das Steckenpferd des Deutschen. Man könnte zurecht darauf verweisen, dass der deutsche es mit seinem Hang zu Ordnung und Überbürokratisierung es übertreibt; dennoch bleibt eine – wenn auch notwendigerweise funktionierende – Bürokratie etwas Wünschenswertes. Wobei auch dieses Schlagwort immer wieder zur Farce geworden ist – wie etwa beim seit mindestens 2015 andauernden Rechtsbruch, der durch die Nichtabweisung von nicht Einreisebefugten auf das Bundesgebiet zustande kommt. Andere verweisen mit Recht auf die längst EU-weit etablierte Schuldenunion.

Als höchsten Wert ist m. E. die Freiheit anzusehen. Oft wurde sie in Deutschland stiefmütterlich behandelt. Und das nicht nur während der beiden bekannten Diktaturen des 20. Jahrhunderts. Jemand, der sich etwa durch der eigenen Hände Arbeit ein kleines Vermögen aufgebaut hat, wird immer noch argwöhnisch beäugt. Der prototypische Deutsche setzt den Wert der Gleichheit in sozialistischer bzw. sozialdemokratischer Manier durchgängig höher an als die Freiheit.

Schon gar nicht gerne wird gesehen, wenn jemand aus der Reihe tanzt. Der soziale Druck, sich in eine bestehende Hierarchie einzuordnen und bloß nicht aufmüpfig zu werden, ist groß.

Besonders schlimm waren die Freiheitseinschränkungen, die von Staats wegen dem Bürger auferlegt wurden und mit harter Hand von Autoritätshörigen durchgesetzt wurden, natürlich während der Corona-Zeit. Allein an dem Umstand, dass es wohl um die drei Viertel aller Deutschen waren, die sich einer gentherapeutischen Maßnahme unterzogen, weil dies von der Führung so gewünscht wurde, zeigt, dass es mit dem Freiheitsverständnis dieses Volkes nicht weit her ist. Zugegeben: Der Widerstand war immens und für deutsche Verhältnisse erstaunlich stabil. Dass jedoch ein beängstigend großer Teil der Bevölkerung für die totale (böse Zungen: totalitäre) Durchimpfung aller per Impfpflicht eintrat, also andere dazu zwingen wollte, sich dem Willen von Zeloten zu unterwerfen und sogar ihre körperliche Unversehrtheit aufzugeben, zeugt von der Geringschätzung, die diesem fundamentalen Wert in deutschen Landen beigemessen wird.

Resümee

Die deutsche Nationalhymne wird heutzutage zumindest ambivalent gesehen. Während das Singen der dritten Strophe von offizieller Seite zumindest akzeptiert wird (bisweilen zähneknirschend), gilt die Darbietung der beiden ersten Strophen als anrüchig, tendenziell schon rechtsextrem oder faschistisch. Es werden einem Sympathien mit dem als absolut Bösen Gesetzten unterstellt.

Die Melodie ist einfach. Sie wurde allerdings ursprünglich nicht für Deutschland komponiert und existiert ebenso als Melodie der österreichischen Kaiserhymne fort.

Der Inhalt der Hymne ist nur mäßig identitätsstiftend. Zum einen kann sich die heutige Gesellschaft kaum noch mit den in der ersten Strophe genannten geographischen Orten identifizieren, zum anderen klingt die Zeile Deutschland, Deutschland über alles für heutige Ohren eher nach einem revisionistischen Schlachtruf als nach einem Lobgesang, was die Intention des Autors gewesen sein dürfte.

Die zweite Strophe dürfte den allermeisten Zeitgenossen gänzlich unbekannt sein. Und ob sie sich mit ihrem Inhalt identifizieren würden, darf stark angezweifelt werden.

Selbst die dritte Strophe stiftet in einer weitgehend entnationalisierten Gesellschaft kaum noch Identifikation. Während die Trias Einigkeit, Recht und Freiheit bei einer klaren Mehrheit auf Zustimmung stoßen dürfte, kann man doch arge Zweifel hegen, wenn die Gemeinschaft der Deutschen beschworen wird, die brüderlich mit Herz und Hand für diese Werte streben solle. Denn darauf verweist ja das imperativische “lasst uns”. Wie oben ausgeführt bestehen diese Werte heute realiter kaum noch fort.

Andere Nationen haben Debatten über ihre Nationalhymne angestoßen und dem Volk die Entscheidung über dieses Symbol nationaler Identität überlassen. Im Falle Deutschlands wäre hier abzuwägen, ob man die derzeitige Praxis mit Meidung der ersten beiden Strophen und exklusiver Nutzung der dritten Strophe unter dem Verweis auf die etablierten Gepflogenheiten seit Gründung der BRD beibehalten möchte. Eine Alternative wäre eine modernere Version, mit der der Identifikationsfaktor höher ausfallen könnte. Dem sollte allerdings eine lange Debattenphase vorausgehen und unbedingt die Möglichkeit einer direktdemokratischen Abstimmung gegeben sein. Das letzte, was man in einer solchen richtungsweisenden Debatte gebrauchen kann, wäre eine Oktroyierung einer blutleeren – da politisch korrekten – Hymne durch den zeitgeistkonformen politisch-medialen Komplex.

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